Realien: Materialien von Anton Hafner (KZU Bülach)

Die Verwaltung

 

Samnitische Verwaltung
Die samnitische Verwaltung enthält viele noch ursprünglich oskische Elemente: An der Spitze der Stadt steht ein Meddix tuvtiks (= lat. iudex publicus), ein auf ein Jahr gewählter höchster Beamter. Er ist zuständig für die Innen- und Aussenpolitik, die Rechtsprechung und den Oberbefehl über die städt. Armee. Daneben existieren offenbar eine Art Volksversammlung (kumbernnieis) und ein senatähnliches Organ (kumparakineis). Der röm. Einfluss macht sich bald bemerkbar, indem zusätzlich die Ämter eines aedilis und eines kvaisstur erwähnt werden.

 

Das Municipium
Nach dem Bündnis mit Rom entsteht die Verwaltung des Municipiums: An der Spitze der Stadt stehen die quattuorviri (ein Kollegium von 4 obersten Beamten, welche die wichtigsten Stadtgeschäfte (u.a. Rechtsprechung) erledigten. Diesen zur Seite finden wir einen Quaestor (zuständig für die Finanzen) und einen Aedilen (zuständig für Markt, öffentliche Bauten, Strassennetz, Wasserversorgung). Die leitenden Beamten werden von der Volksversammlung, welche auf dem Forum stattfindet, auf ein Jahr gewählt. Angesichts der verschiedenen Inschriften kann auf eine Art Wahlkampagne geschlossen werden. Daneben sind die bedeutenden Familien als decuriones in einem ordo von 100 Mitgliedern - einer Art Senat (also eher beratend aber mit starkem Einfluss) - vertreten. Damit gleicht die Stadtverwaltung von Pompeji derjenigen von Rom.

 

Die Colonia
Mit der Ansiedlung von Veteranen entsteht für die colonia eine eigene Verwaltung. An deren Spitze stehen die beiden duumviri iure dicundo (wichtigste Stadtgeschäfte, Rechtsprechung in der Basilika, finanzielle und religiöse Angelegenheiten). Zu ihrer Unterstützung fungieren zwei aediles. Alle fünf Jahre tragen die duumviri den Titel quinquennales. Sie haben dann die Volkszählung durchzuführen und die Wählerlisten zu überprüfen. Eine gewisse Zeit existieren Municipium (umfassend die eingesessene Bevölkerung der Stadt) und Colonia (umfassend die Veteranen) nebeneinander. Es scheint aber, dass mit der Verschmelzung der beiden Bevölkerungsgruppen auch die beiden Verwaltungen zusammengelegt werden. (Die quattuorviri werden nicht mehr erwähnt).

Zusammenstellung: C. Vetsch

 
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