Astrofotografie

September 2000: Der Gegenschein

Riccardo Balestrieri und sein Sohn Elio (9), Bruno Caprile und Marco Fulle bestiegen Stromboli in der Nacht vom 27./28. September 2000. Sie trugen eine schwere astronomische Ausrüstung auf den Gipfel um nachgeführte Langzeitbelichtungen des Nachthimmels aufzunehmen. Wir zeigen Ihnen hier die Ergebnisse ihrer Arbeit auf dem Pizzo, zusammen mit Vergleichsaufnahmen, die bei der «Crocetta» (nahe bei Strombolis Friedhof) und solchen, die in den Julischen Alpen aufgenommen wurden. Zweck der Unternehmung war es, den sehr schwierig aufzunehmenden Gegenschein auf den Film zu bannen. Dank einer perfekt windstillen Nacht hatten sie Erfolg. Um eine Vorstellung von der Perspektive zu vermitteln, geben wir die jeweiligen Objektivbrennweiten an (z.B. f=28mm: Weitwinkelaufnahme). Wie immer sind die kleinen Bilder Links zu grösseren (etwa 100 bis 250 KB).

September 2000: Der Gegenschein
28. September 2000, 01:20-02:10 UT (50min Belichtungszeit), f=50mm f/2, Elite 400, von Pizzo. Wir erreichten Pizzo nach Mitternacht, als Orion hoch im Süden stand. Beachten Sie den auffällig roten «Rosettennebel» links im Bild. Die drei Bilder rechts sind vergrösserte Ausschnitte dieser Aufnahme.
September 2000: Der Gegenschein
Die drei Gürtelsterne des Orion stehen im Zentrum eines riesigen, schwach rötlich leuchtendenden, bogenförmigen Nebel, dem «Barnard's Loop». Der linke untere Gürtelstern regt den roten Nebel beim «Pferdekopfnebel» zum Leuchten an. Weiter unten ist der überbelichtete Orionnebel.
September 2000: Der Gegenschein
Ein weiterer, nur schwach rötlich leuchtender, aber ausgedehnter Nebel umgibt den Stern Lambda Orionis, etwa in der Mitte des Bildes. Betelguese leuchtet hell orange links unter der Bildmitte. Links im Bild ist ein Teil der Milchstrasse.
September 2000: Der Gegenschein
In der zweiten Nachthälfte treten die meisten sporadischen Meteore («Sternschnuppen») auf. Nicht selten erwischt man den einen oder anderen auf einer langbelichteten Aufnahme. Kleine Meteore sind Staubteilchen aus dem Sonnensystem, die in der Erdatmosphäre verglühen.
September 2000: Der Gegenschein
26. September 2000, 21:00-21:40 UT (40min Belichtungszeit), f=16mm f/2.8 (Fischaugen-Objektiv, Bilddiagonale 180°), Elite 400, von «Crocetta», Stromboli. Die Milchstrasse erstreckt sich vom Sternbild Aquila bis zum Perseus Doppelsternhaufen. LInks unten die Lichter von Touristen, die vom Stromboli heruntersteigen. Drei Leuchtspuren von Flugzeugen durchqueren die Sternbilder Cygnus, Lyra und Vulpecula.
September 2000: Der Gegenschein
28. September 2000, 01:20-02:10 UT (50min Belichtungszeit), f=16mm f/2.8, von Pizzo, Stromboli. Die Milchstrasse erstreckt sich vom Stern Deneb (im rötlichen Rauch einer Eruption) bis zum Stern Procyon (rechte obere Ecke). Zuoberst die Hyaden, Pleiaden, Jupiter (rechts) und Saturn (links). Unter diesen Planeten der rötliche «Kaliforniennebel». Rechts erkennt man das Morgen-Zodiakallicht über dem hellen Horizont von Kalabrien.
September 2000: Der Gegenschein
28. September 2000, 00:20-01:10 UT (50min Belichtungszeit), f=16mm f/2.8 (Fischaugen-Objektiv, Bilddiagonale 180°), Elite 400, von Pizzo, Stromboli. Diese WEitwinkelaufnahme reicht vom Orion (links) bis zum Aquarius (rechts), mit Jupiter und den Hyaden (links) sowie Saturn und den Pleiaden (rechts). Der Gegenschein ist der grosse helle Fleck, ungefähr in der Bildmitte. Er markiert den Gegenpunkt zur Sonne. Am HOrizont die Lichter von Sizilien und Salina (rechts).
September 2000: Der Gegenschein
21. Oktober 2000, 20:20-20:55 UT (35min Belichtungszeit), f=16mm f/2.8 (Fischaugen-Objektiv, Bilddiagonale 180°), Elite 400, von Matajur, 1325 m.ü.M. Ein Monat später ist der Gegenschein in Sternbild Aries gawandert. Er folgt natürlich der jahrezeitlichen, scheinbaren Bewegung der Sonne. Er ist hier etwas weniger gut erkennbar als auf den BIldern von Stromboli, da der Himmel über den Alpen weniger dunkel ist als über Stromboli.
September 2000: Der Gegenschein
21. Oktober 2000, 21:00-21:45 UT (45min Belichtungszeit), f=16mm f/2.8 (Fischaugen-Objektiv, Bilddiagonale 180°), Elite 400, von Matajur. Zwar stören hier Leuchtspuren von Flugzeugen, doch macht die längere Belichtungszeit den Gegenschein etwas besser sichtbar. Das Sternbild Orion geht eben am Osthorizont auf.
September 2000: Der Gegenschein
21. Oktober 2000, 21:50-22:10 UT (20min Belichtungszeit), f=16mm f/2.8 (Fischaugen-Objektiv, Bilddiagonale 180°), Elite 400, von Matajur. Bei den Streifen am Himmel handelt es sich nicht um Polarlichter, sondern nur um hohe Zirruswolken. Solche verunmöglichen es sofort, den Gegenschein zu fotografieren.
September 2000: Der Gegenschein
23. Oktober 2000, 19:45-20:35 UT (50min Belichtungszeit), f=16mm f/2.8 (Fischaugen-Objektiv, Bilddiagonale 180°), Elite 400, von Matajur. Zwei Tage später haben wir nochmals eine sehr gute Nacht. Dieses Bild erstreckt sich vom aufgehenden Orion (linke untere Bildecke) bis Delphinus (obere rechte Ecke). Der Gegenschein ist etwas links der Bildmitte. Darüber die Andromeda Galaxie und die Milchstrasse (ganz oben).
September 2000: Der Gegenschein
23. Oktober 2000, 21:40-22:10 UT (30min Belichtungszeit), f=16mm f/2.8 (Fischaugen-Objektiv, Bilddiagonale 180°), Elite 400, von Matajur. Nach zwei Stunden ist der Gegenschein infolge der Eigenrotation der Erde weitergewandert. Dies beweist, dass es sich bei der zarten Aufhellung weder um ein Film- noch ein Kameraartefakt handelt. Im etwas dunkleren Himmel über Slowenien erkennt man gerade noch den rötlichen Nebel um Lambda Orionis.
Der Gegenschein

Das ganze Sonnensystem befindet sich innerhalb einer riesigen Wolke aus interplanetarem Staub. Dieser stammt von gegenseitigen Kollisionen von Asteroiden sowie von Kometenschweifen. Infolge komplexer Wechselwirkungen zwischen den Staubteilchen und der Sonnenstrahlung fällt der Staub nach und nach gegen die Sonne. So bildet sich eine ellipsoidische Wolke von Staub, in deren Zentrum die Sonne steht und deren Dichte gegen die Sonne hin zunimmt. Wenn wir im Sonnensystem in irgend eine beliebige Richtung schauen, sehen wir Sonnenlicht, das von diesem Staub reflektiert wird. Das ist das sogenannte Zodiakallicht, das natürlich in der Nähe der Sonne am hellsten erscheint. Der Gegenschein wird noch durch einen weiteren Effekt verursacht. Er befindet sich zwar am Himmel genau 180 Grad von der Sonne entfernt. Dort ist eine Aufhellung des Zodiakallichts zu erkennen, doch hat diese nichts mit einer grösseren Staubdichte zu tun. Sie entsteht durch Rückstreuung des Sonnenlichts an Staubpartikeln, die annähernd gleich gross sind wie die Wellenlänge des Lichts. Diese streuen nämlich Licht genau rückwärts besser als in allen anderen Richtungen (genau genommen ist die Streuung nach vorn sogar noch stärker, aber diesen Effekt kann man im Sonnensystem nicht sehen, da man dann gegen die Sonne schauen müsste). Die gleiche Art von Rückwärtsstreuung ist auch verantwortlich für das atmosphärische Phänomen des «Brockengespensts» (Stromboli LiveCam-Bild) in ganz normalem Nebel.